Sonderausstellung bis Juni 2018 verlängert: Die Eiszeit-Jägerin im paläon

Auge in Auge mit der Säbelzahnkatze bei der europaweit einzigartigen Sonderausstellung im Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere

Die ausgestorbenen Säbelzahnkatzen sind für viele Menschen das Sinnbild des gefährlichsten Raubtieres überhaupt. Der sensationelle Knochenfund einer Säbelzahnkatze auf der Grabung Schöningen beweist nun, dass die frühen Menschen aus der Altsteinzeit dieser Raubkatze tatsächlich noch vor 300.000 Jahren begegnet sind - Experten bezweifelten dies bislang stark. Anhand der seltenen Fossilfunde stellen sich den Wissenschaftlern jetzt viele Fragen - beispielsweise wie die etwa 200 Kilo schweren Tiere wohl aussahen, wie sie lebten, wie sie jagten. Haben die Säbelzahnkatzen mit unseren Vorfahren um Beute gekämpft oder gingen sie sich aus dem Weg? Antworten darauf finden Besucher ab Ostern 2017 im paläon - Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere im Rahmen der europaweit einzigartigen Sonderausstellung: "Die Eiszeit-Jägerin. Säbelzahnkatzen - die tödliche Gefahr". Dank der großen Unterstützung des Fördervereins Schöninger Speere Erbe der Menschheit e.V. für diese spannende archäologische Wanderausstellung können die Gäste im paläon Fossilien von Säbelzahnkatzen aus der Region, aber auch ganz Europa erkunden. Das weltweit einzige aufgebaute Skelett einer europäischen Säbelzahnkatze ist ebenso wie die Vielfalt der heutigen wilden Katzenwelt zu bestaunen. Mutige Besucher können übrigens dem lebensecht nachgebauten Modell direkt in die Augen schauen. Die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist geprägt von Konkurrenz, Überlebenskampf, Angst und Erfindungsreichtum. Es ist die Geschichte unserer Beziehung zu Raubtieren, wild oder gezähmt, von Jägern und Haustieren, vom Beute machen oder Aas fressen. Dabei haben sich unsere entfernten Vorfahren in der Nahrungskette stetig nach oben gearbeitet, doch das Erbe der nackten Affen und deren Furcht vor dem ultimativen Schrecken des Gefressen Werdens tragen wir immer noch in uns. Dank ihrer unvergleichlichen Eleganz haben Raubkatzen bei uns Menschen eine besondere Stellung inne. Dies wird durch Hollywood-Produktionen noch gefördert und die Säbelzahnkatzen stehen dem Ruhm des Weißen Hai oder dem Tyrannosaurus rex in nichts nach. Am 17. Oktober 2012 fanden Archäologen in der Erdschicht, in der vor vielen Jahren schon die berühmten Schöninger Speere entdeckt wurden, einen ungewöhnlichen Zahn. Die Schneidekanten waren mit einer Sägekante versehen, wie bei einem heute handelsüblichen Steakmesser. Dem Grabungsteam war schnell klar, dass hier etwas Außergewöhnliches ans Tageslicht gekommen war. Doch welchem Tier hat dieser Zahn einst gehört? Renommierte Wissenschaftler aus Tübingen und Leiden in den Niederlanden verglichen den Fund mit hunderten anderen Zähnen bekannter Tierarten. Am Ende stand fest, der Zahn ist eines der seltenen Fossilien der europäischen Säbelzahnkatze - dem Homotherium latidens. Dieser sensationelle Fund beweist nun, dass wir dieser Raubkatze in Europa noch vor 300.000 Jahren begegnet sind - bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass sie schon lange ausgestorben waren. Auf einer Ausstellungsfläche von 300 Quadratmetern werden die Besucher durch die realitätsnahe Inszenierung der ersten im paläon selber kuratierten Ausstellung in den Bann dieser berüchtigten Großkatze gezogen. Zu erleben sind die künstlerischen Fähigkeiten unserer eiszeitlichen Vorfahren, die der Faszination Raubkatze in unvergleichlicher Felskunst und ästhetischen Elfenbeinfiguren Ausdruck gaben. Die Gäste spüren, was es bedeutet, mit einem großen Raubtier in der Nachbarschaft leben zu müssen. Welche Gefühle überwiegen dabei? Verehrung und Verbundenheit oder vielleicht doch Angst oder sogar Hass? Die Grenzen zwischen eigenem Überleben, Wilderei und Naturschutz sind fließend.