Einigkeit herrschte in der Ratssitzung über die Zukunft der archäologischen Grabung. Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, deren UNESCO-Bewerbung zu unterstützen.

UNESCO-Weltkulturerbetitel für archäologische Grabung Schöningen

Rat bereitet Weg für das Bewerbungsverfahren des Speere-Fundortes

Einstimmig fasste der Rat in seiner Sitzung am 10. September 2020 einen Beschluss, der in seiner Tragweite einem Meilenstein für die Stadt Schöningen und die gesamte Region gleichkommen könnte: Die altpaläolithische Grabung am Rande des ehemaligen Braunkohletagebaus – Fundstätte der weltberühmten Schöninger Speere und weiterer Sensationen – soll UNESCO-Weltkulturerbe werden.
Im Juni dieses Jahres hatte der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, Rat und Verwaltung darüber informiert, dass das Ministerium beabsichtigt, einen Antrag zur Aufnahme auf die nationale Tentativliste zum UNESCO-Weltkulturerbe für die altpaläolithische Fundstelle Schöningen zu stellen. Die Einschätzung auch externer Fachleute attestiere der Fundstelle eine hohe Qualität und herausragende Bedeutung für die Menschheitsgeschichte und somit beste Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung.
Dies unterstrich auch Bürgermeister Malte Schneider in der Ratssitzung. Die Aufnahme der Schöninger Fundstelle als UNESCO-Weltkulturerbe stärke nicht nur die Attraktivität und das Ansehen von Grabung und Forschungsmuseum, sondern stelle einen positiven Nutzen für die Attraktivität der gesamten Stadt in der öffentlichen Wahrnehmung dar, so Schneider. Die anwesenden Ratsmitglieder folgten seiner Einschätzung und gaben ihr einstimmiges Votum ab.
Die Antragstellung erfolgt nun in den kommenden Monaten durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und Senckenberg bzw. die Universität Tübingen.

Die altpaläolithische Grabung Schöningen erlangte 1994 weltweit Aufmerksamkeit, als hier die ältesten Jagdwaffen der Menschheit, die 300.000 Jahre alten Schöninger Speere entdeckt wurden. Spektakulär war nicht nur der Erhaltungszustand, sondern auch das gesamte Fundumfeld mit weiteren Holz- und Steinartefakten und in dieser Qualität und Quantität weltweit einzigartigen tierischen Knochenfunden. Diese Funde revolutionierten die europäische Evolutionsgeschichte.
Immer wieder entdeckt das Team um den wissenschaftlichen Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli, Universität Tübingen, weitere Sensationen, wie beispielsweise im Jahr 2012 die Säbelzahnkatze und 2017 das nahezu vollständige Skelett eines Waldelefanten.