Geschichtsbrunnen

Auf über 300 cm ragt der 1995 von Professor Bernd Altenstein, Bremen, geschaffene Brunnen auf. Über einen Steinsockel erhebt sich wie ein Bohrkern unter dem Bild der Stadt eine Bronzetrommel, getragen von den Bauwerken die Schöningen bestimmen: Bergbau und Salz. Der Bohrkern zeigt in reliefplastischen Szenen bildhaft wichtige Daten der Stadthistorie. Geschichte ist an das Licht gehoben und wird vom Wasser der Zeit überflossen.

Einstieg in die Betrachtung ist der Gänseraub, der sicher aus dem Tross Karl des Großen oder Pippins (748) geschah (784), als er beim damaligen Schöningen lagerte, mit der Geistlichkeit im Gefolge. die Soldaten des Merowingers Pippin und der reitende Karl bilden die erste Schöninger Szene, dazu das kleine Bildnis Otto des III., der hier war und die wichtige Stelle dieses Platzes im frühen Mittelalter belegt. Gegen den Uhrzeigersinn gedreht betrachten wir den Brunnen. Eine tiefe Furche, ein Zeitsprung, trennt die Szenen der Feuerbrünste, die das Stadtbild veränderten und Mensch und Tier trafen. Eine Frau rettete ihre Katze vor den Flammen, die aus den angedeuteten Häusern schlagen und daneben ist zugleich der Wiederaufbau zu sehen.

Die Jahreszahlen dazu sind aus der Chronik. 1644 ist eine Brandzahl, die in die Zeit der mildtätigen Herzogin Sophie fällt, die in einer Andeutung der Zeittracht brotverteilend dargestellt ist. 1639 ist auch die Gründung des "Sophianeums", über dem Kopf der Herzogin ein Blick auf eine Schulszene. Oberhalb des Bergmanns ist der Zeitsprung in die junge Vergangenheit: 1945 retten Dr. Scheifele und Pastor Hintze mutig die Stadt vor den amerikanischen Panzertruppen. In diesen dramatischen Stunden wird der Bürger Ulitzka, der die weiße Fahne schwenkt, von einem NS-Offizier feige erschossen.

In der Betrachtung bleiben wir in der oberen Zone und sehen aus der kriegszerfurchten Landschaft den Zug der Flüchtlinge, der Schöningen erreicht. Daneben erscheint über einem Riss die Jahreszahl 1989: Die Teilung, die Schöningen direkt berührte, ist aufgehoben, bleibt aber als Verwerfung im Relief der Stadtlandschaft auf der Oberfläche der Brunnenplastik und im Bewusstsein der Menschen. Das Handeln der Menschen, die Schöningen in der Geschichte hielten und das Aufdecken von Geschichten ist das "Geschichtsbrunnenthema".